Walsrode, Heidekreis (jf) Offensichtlich entgegen dem Trend hatte die Freiwillige Ortsfeuerwehr Walsrode im abgelaufenen Jahr zwölf männliche und einen weiblichen Neueintritt in die Einsatzabteilung, darunter einen Kameraden, der aus der Jugendabteilung kam. „Das Gro der Neumitglieder sind alles ausgebildete Feuerwehrmänner,

die entweder früher bereits in unserer Feuerwehr waren, im letzten Jahr nach Walsrode zogen oder in Walsrode arbeiten und als Doppelmitglieder bei uns tätig sind“, freut sich Ortsbrandmeister Stephan Wagner. Der einzige weibliche Neueintritt ist allerdings ein Quereinsteiger ohne Feuerwehrhintergrund.

Nach der Erst- bzw. Wiedereinkleidung mit Uniform und persönlicher Schutzausrüstung (Helm, Handschuhe, Einsatzjacke, -hose und -stiefel), waren einige der Neuen schon bei Diensten anwesend, als dies noch ging. Nach einer Einweisung in die Fahrzeuge sowie Gerätschaften konnten die meisten durch ihre vorangegangene Ausbildung in anderen Feuerwehren schon Einsatzdienste leisten, was gerade bei „Homeoffice-Personal“ und den Doppelmitgliedern (davon zwei aus dem Rathaus) gerade tagsüber eine wichtige Rolle spielt.

„Alle Spinde sind belegt, daher wurden weitere zehn Alarmspinde kurzfristig von der Stadt geordert, um jedem im Feuerwehrhaus „eine Heimat“ zu geben, so der Stellvertretenden Ortsbrandmeister Alfred Suhr. Torsten Helberg, ebenfalls Stellvertretender Ortsbrandmeister, ergänzt, das dies für die Motivation der Ehrenamtlichen sehr wichtig ist – denn nichts wirkt demotivierender, als wenn sich jemand freiwillig engagieren möchte und dann nicht ausgerüstet oder einen Spind zur Verfügung gestellt wird. Er spricht als ehemalige Kleiderwart aus Erfahrung, macht aber auch deutlich, dass dies heute in Absprache mit der Stadt und den Stadtbrandmeistern mit der Ausstattung sehr gut funktioniert.

„Die Umkleide platzt aus allen Nähten, das hatten wir auch noch nie“, so Wagner. Aber gerade für eine Schwerpunktfeuerwehr wie in der Kernstadt Walsrode ist ausreichendes Personal wichtig, denn dort werden viele Einsätze abgearbeitet und Sonderfahrzeuge wie Drehleiter und Rüstwagen vorgehalten.

Durch die Pandemie-Einschränkungen ist es aktuell schwierig, das neue Personal kennenzulernen. So kam und kommt es vor, dass bei Einsätzen plötzlich „neue und alte Helfer“ nebeneinander auf dem Fahrzeug sitzen und sich auf dem Weg zum Einsatz kennen lernen. „Das funktioniert ganz gut, denn die Ideale sind bei allen dieselben - anderen Menschen helfen zu wollen“, macht Wagner deutlich. Alfred Suhr schiebt nach – ein Leben in der Lage, das sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren gewohnt und können damit umgehen.

Auf die Frage, was die Neumitglieder motiviert hat während der Pandemie in die Ortsfeuerwehr Walsrode einzutreten, zucken die drei Ortsbrandmeister mit den Schultern. „Vielleicht liegt es mit an der Öffentlichkeitsarbeit, aber am besten einige der Neumitglieder befragen“, schlug Helberg vor.

Der 40-jährige Sascha Wenzel war bereits von 1997 bis 2012 in der Ortsfeuerwehr tätig, hatte seinen Truppführerlehrgang abgeschlossen und den Posten des Stellvertretenden Jugendwartes inne. „Persönliche Gründe ließen ein Engagement eine Zeitlang nicht zu, aber die Begeisterung für die Feuerwehr war nie weg, ich habe über die Jahre Kontakt zu Freunden in der Feuerwehr gehalten und mich immer im Internet und der Presse über die Ortsfeuerwehr informiert“, so Wenzel. Durch ein geändertes Umfeld und neue Strukturen kann er sich jetzt wieder engagieren und ist daher erneut eingetreten. Die Pandemie habe keine Rolle bei der Entscheidung gespielt, führt aber durch das Arbeiten von Zuhause dazu, dass er am Tage oft mit ausrückt.

Der 41-jährige Kai-Thomas Kunert ist seit 25 Jahren Mitglied in der Ortsfeuerwehr Schwitschen/Stadt Visselhövede und dort Gruppenführer. Er arbeitet im Rathaus und hat sich nach einem Aufruf der Bürgermeisterin Helma Spöring zur Doppelmitgliedschaft bereit erklärt. „Ich möchte am Tage die Kameraden in Walsrode bei ihren Einsätzen zum Wohle der Bevölkerung unterstützen, möchte mich mehr für andere engagieren“, so der Ehrenamtliche. Zusammen mit dem Ehrenstadtbrandmeister Volker Langrehr aus Nordkampen, der ebenfalls Doppelmitglied ist, rückt er regelmäßig zu Einsätzen aus. Die Verantwortlichen im Rathaus freuen sich darüber, denn die Stadt Walsrode ist Träger der Feuerwehr und für den Brandschutz in der Heidestadt verantwortlich.   

Als Quereinsteiger ist die 18-jährige Victoria Losse im vergangenen Jahr dazu gestoßen. Sie hat bisher noch nichts mit der Feuerwehr zu tun gehabt, wollte an sich eine Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr in Hamburg machen. „Das hat leider nicht funktioniert, da keine Stellen frei waren“, so Losse. Daraufhin ging sie im Rahmen des freiwilligen sozialen Jahres zur Regionalstelle des THW´s nach Verden und unterstützt von dort aus die verschiedenen Ortsverbände. „Hier habe ich als Bufdi (Bundesfreiwillgendienst) viel gelernt und wollte mich weiter im Ehrenamt engagieren. Was liegt da näher, als in der Heimatstadt zu seiner Feuerwehr zu gehen“, schmunzelt die junge Frau. Und das hilft ihr hoffentlich auch in der beruflichen Zukunft, denn sie möchte eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin beginnen und sucht gerade noch einen Ausbildungsplatz. Auch bei ihr hat die Pandemie keine Rolle gespielt. Allerdings findet die Nachwuchsbrandschützerin es schade, dass durch CoVid keine Ausbildungen und Lehrgänge durchgeführt werden können. „Da müssen wir uns in Geduld über“, so ihr Aufruf.   

Aber egal was die Motivationen für die Neueintritte sind – gewonnen haben die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Walsrode, da die Anzahl der ehrenamtlichen Helfer gestiegen ist.

 

Hintergrundinfo zu Doppelmitgliedschaften: nach dem Niedersächsischem Brandschutzgesetz haben Feuerwehrleute seit einigen Jahren die Möglichkeit, der Freiwilligen Feuerwehr an ihrem Arbeitsort als sogenanntes Doppelmitglied beizutreten. Sie können dann dort an der Ausbildung und an Einsätzen teilnehmen, sofern ihre Arbeitgeber damit einverstanden sind. 


Text & Foto Jens Führer

Foto – Spinde und Fahrzeuge im Feuerwehrhaus